Unverletzlichkeit der Wohnung? Von wegen !
by ludo on Januar 26th, 2010
Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, ich würde es nicht glauben, würde mich weigern es zu glauben, es in die Hinterwelt exotischer Foren verschieben, oder schlicht und einfach ignorieren, vergessen, verdrängen. Ja, das kann doch nicht sein. Aber leider ist es mir passiert und so kann ich nicht umhin darüber zu berichten. Möge jeder seine Schlüsse ziehen.
Ich verließ nach einer durchaus gelungenen Probe das Theater und noch bevor ich entscheiden konnte, ob ich den geplanten Einkauf nun erledige oder gekonnt und bestens eingeübt auf sagen wir später verschiebe läutet mein Telefon. Rufnummer unterdrückt. Eher ein schlechtes Zeichen, da sich dahinter oft dreiste Callcenter verbergen, die den Pyromanen in mir wecken. Ein Callcenter wäre mir in diesem Falle allerdings lieber gewesen. „Grüß Gott spreche ich mit dem Herrn Vici?“ Eine tiefe, trockene Stimme, die einem Menschen zu gehören scheint, der über das Temperament eines englischen Bassetts verfügen musste. Eine liebenswerte Hunderasse übrigens, bei deren Anblick ich bis heute an Ingrid Steegers Busen denken muss, der meine frühpubertäre Phantasie beflügelte. „Mein Name ist Marder (Selbstverständlich wurde der Name von meiner hauseigenen Redaktion geändert) Kriminalhauptkommissar Marder. Gegen Sie liegt eine Strafanzeige wegen Diebstahls vor, die zu einem richterlichen Durchsuchungsbefehl geführt hat.“ Ich hätte gern nach etwas Luft geschnappt, aber der Reflex versagte. Mit der Restluft, die sich noch in meinen Lungen befand antwortete ich. „Wie bitte?“ Der Bassett wiederholte seine Ansage so exakt, dass man glauben könnte sie wäre aufgezeichnet worden. „Soll das bedeuten,“ fuhr ich fort, nachdem ich mein Atemzentrum reaktiviert hatte, „dass ich nun nach Hause kommen soll, um ihnen die Tür zu öffnen.“ Die Kontrolle über mein Atemzentrum sollte nicht lang anhalten. „Nein,“ brummte der Kriminalhauptkommissar Marder „des brauchen´s nicht, wir sind schon drin.“ Welches Atemzentrum? „ich wollt sie nur verständigen“ Mund auf. Is schon offen. Luft rein. „Wie bitte?“. Diesmal wartete ich die Wiederholung der Ansage nicht ab. „soll das heißen, sie rufen mich aus meiner Wohnung an.“ „So ist es.“ War ich Anfangs überrascht, erstaunt, irritiert, so war ich jetzt wütend. „Ich komme sofort nach Hause.“ „Nein, des brauchen´s nicht, wir sind schon fertig.“ „Fertig also, aha, verstehe.“ „Ja, soweit ist die Durchsuchung gemäß des Beschlusses durchgeführt. Ich hinterlasse ihnen auf ihrem Tisch eine Kopie…..des.“ „Ja, können sie mir jetzt bitte vielleicht sagen worum es geht.“ Für einen Moment ist es still. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht eine blau gekleidete untersetzte Frau, nein, sie ist nicht untersetzt, sie ist dick, ja, dick, dick, dick, ihrer Arbeit nach indem sie Autofahrern, die keine, oder eine nicht mehr ausreichende Parklizenz erworben haben, entsprechende kostenpflichtige Verwarnungen hinter die Scheibenwischer klemmt. Es ist soweit. Ich bin umzingelt. Der Marder brummte wieder. „Schauen sie die Sache ist diese, oder besser ich frage sie: Wo waren sie am Abend des 5. Dezember, so gegen …“ Etwas raschelte. Ich versuchte mir den Herrn Hauptkommissar vorzustellen, wie er in meiner Wohnung stand, das Handy zwischen Ohr und Schulter geklemmt, diverse Papiere in der Hand, die er nun notdürftig und etwas unbeholfen sortierte. Das Schnurrbartklischee gewann die Oberhand. „ 21 Uhr 30“ Ich musste einen Moment nach der Antwort suchen, möglicherweise über das Maß hinaus, das mich unverdächtig blieben ließe. Wut und Irritation vernebelten mein Gehirn, und da ich nichts zu verbergen hatte ging ich zur Offensive über. „Ich denke, bevor ich etwas sage, würde ich doch gern erst einmal den Vorwurf hören.“ „Meinetwegen, wenn sie des so meinen. Also eine Dame behauptet sie hätten ihr am fraglichen Tag im Zug von Mannheim nach München gegenüber gesessen. Kurz vor München sei sie dann auf die Toilette gegangen. Als sie wieder zurückkam wären sie sowie ihr Laptop verschwunden gewesen.“ Wo immer ich auch war, ganz sicher nicht in einem Zug, und schon gar nicht in einem aus Mannheim. „Interessant.“ sagte ich, mehr brachte ich nicht heraus. „Wie sie meinen. Jedenfalls hat die besagte Dame am nächsten Tag ihr Profil auf der (Lautschrift) Kommunitie Xing aufgesucht. Hier habe sie feststellen können, dass sie wohl am gleichen Tag auf ihrem Profil gewesen wären. Sie hat sie dann anhand ihres Profilfotos eindeutig identifiziert und daraufhin Anzeige bei uns erstattet.“ „Interessant“ wiederholte ich fast tonlos. „Ja, wie schon gesagt, wenn sie meinen. Wir wären jetzt jedenfalls soweit fertig und ich hinterlasse ihnen ein entsprechendes Protokoll, auf dem sie dann auch meine Nummer finden, falls sie noch weitere Fragen haben….“ „Ob ich noch Fragen habe! Entschuldigung, aber nur weil irgendeine Frau behauptet, sie hätte mich aufgrund eines Fotos im Internet wieder erkannt, erwirken sie einen richterlichen Durchsuchungsbefehl und dringen in meiner Abwesenheit in meine Wohnung ein…….“ „Ja, sie müssen schon verstehen, aus unserer Sicht besteht ein dringender Tatverdacht.“ Das ist also die Definition von dringendem Tatverdacht. „Aber das alles können wir dann ja persönlich besprechen. Sie rufen mich dann an und wir machen einen Termin aus. Allerdings nicht so bald, weil ich bin ab morgen für zehn Tag im Urlaub, also dann erscht später.“ Dringender Tatverdacht. „das Wochenende mit gerechnet, also dann so ab dem……, sagen wir in zwei Wochen.“ Gott mit dir du Land der Bayern. „Ein kleine unbedeutende Frage hätte ich da noch, wirklich nur eine Kleinigkeit, die ich ihnen gerne auf ihrem Weg in den Urlaub mit geben möchte. Nur ein mal angenommen die besagte Frau hätte recht und ich wäre der fragliche Dieb ihres Laptops, der nichts besseres zu tun hat als gleich am nächsten Tag eine persönliche Duftnote auf dem Profil der Geschädigten zu hinterlassen. Was glauben sie mache ich wohl in den nächsten zwei Wochen mit dem fraglichen Gerät?“ „Was auch immer sie machen oder nicht, wir machen jedenfalls eine Gegenüberstellung. Also bitte melden sie sich bei uns, damit wir einen Termin vereinbaren können.“
Jetzt muss ich leider die Tonart wechseln, und folgende Fakten hinzufügen. Der Wert des fraglichen Laptops ließ sich bei Ebay mit ungefähr 200 Euro feststellen. Diese 200 Euro stehen also in Verbindung mit dem so genannten dringenden Tatverdacht gegen das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung (Nähere Informationen dazu hier)
In einer späteren Gegenüberstellung, die mehr als vier Wochen nach der Tat stattfand nahm die Dame die Beschuldigung gegen mich zurück. Ich habe den Vorfall später durch einen Anwalt überprüfen lassen und mir wurde die Rechtmäßigkeit des Vorgangs bestätigt, verbunden mit der Bemerkung, ob ich denn wirklich glaube, dass ich in einem Rechtsstaat lebe. Nun ich denke, dass wir sicher noch ein ganzes Stück weit von einer repressiven Diktatur entfernt sind, aber mein Verhältnis zu den hiesigen Behörden hat wohl einen weiteren Riss bekommen und die latente Paranoia einen kräftigen Schub. Sollten Umstände wie die beschriebenen ausreichen um elementare Grundrechte auszuhebeln so sind Überwachung und Denunziation Tür und Tor geöffnet.
Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Auf meine Frage an den Beamten, ob er denn wirklich glaube, dass ich, falls ich der Täter bin, wirklich am nächsten Tag über meinen Account das Profil der Dame besuche, und so direkt auf mich aufmerksam mache, bekam ich folgende Antwort: “Meiner Erfahrung nach sind Diebe dumm, denn wenn sie inteligent wären, wären sie Betrüger.”
“Jeder Mensch, den ich sehe und jeder, von welchem ich, gleich was höre, beweist mir die absolute Bewußtlosigkeit des ganzen Geschlechts und daß dieses Geschlecht und daß die ganze Natur ein Betrug ist. Komödie. Die Welt ist tatsächlich, wie schon so oft gesagt, eine Probebühne, auf der ununterbrochen geprobt wird. Es ist wo wir hinschauen ein ununterbrochenes Redenlernen und Gehenlernen und Denkenlernen und Auswendiglernen, Betrügenlernen, Sterbenlernen, Totseinlernen, das unsere Zeit in Anspruch nimmt.”
Thomas Bernhard
Neujahrs Plan Sprache
by ludo on Dezember 31st, 2009
Nun hat sich also auch unsere Bundesschwanklerin an das Volk gewendet. Ruhig, langsam und bedächtig hat sie sich an die vielen gewendet, die sie eben nicht gewählt haben, sehr langsam hat sie gesprochen, vielleicht so, wie man mit einem kleinen Kind spricht, das einen womöglich nicht versteht, weil es ja noch so klein ist, oder das man ruhig halten möchte bevor es gar zur nörgeln oder zu quengeln beginnt.
In bewährter Weise hat sie uns eingekohlt, die Hände haben sich gegenseitig festgehalten, damit sie nicht in die gewohnte Mr. Burns Haltung verfallen, eine Angewohnheit deren Interpretation ich dem geneigten Leser überlassen möchte. Bereits zum fünften male, dies zu erwähnen läßt sie sich gleich zu Beginn nicht nehmen, können wir ihren weisen Worten lauschen, dem fahlen Sing Sang der Vertuschung, Täuschung und feinkleinbürgerlicher Doppelmoral, die zum untrüglichen Erkennungszeichen der CDU-Machtgetiere geworden ist. Dann folgen, quasi zur Legitimierung des, wie sie es nennen, unblutigen Sieges des Kapitalismus sentimentale Erinnerungen an den Fall der Mauer.
Erlaubt sei dies Wiki-Zitat:
Merkel war weder Mitglied der SED noch einer der Blockparteien, aber auch nicht in der zivilen bzw. der kirchlichen Opposition aktiv, die sich nach der KSZE-Konferenz von Helsinki seit 1973 bzw. im Rahmen der Aktion Schwerter zu Pflugscharen seit 1980 gebildet hatte. Nach Angabe ihres damaligen FDJ-Gruppenleiters Hans-Jörg Osten war Merkel während ihrer Zeit an der Akademie im Sekretariat der FDJ-Grundorganisation bei ihrem Institut für Agitation und Propaganda zuständig.Sie selbst äußerte dazu: „Nach meiner Erinnerung war ich Kultursekretärin. Aber was weiß ich denn? Ich glaube, wenn ich 80 bin, weiß ich gar nichts mehr.“Diese Tätigkeit hat ihr laut einem Interview mit Günter Gaus aus dem Jahr 1992 Spaß gemacht.
Ja und da ist es schon das große Wort: Freiheit. Habt ihr´s gehört Mitbürger. Die Freiheit, die uns tragen soll angesichts der Aufgaben, die uns nun abverlangt werden, nachdem man große Teile des Gemeinwohls gewissenlos verkauft und die wahren Besitzer eben dieses Gemeinwohls an die eigenen Gönner verraten hat. Aber, so können wir weiter hören, es beginne nun ein neues Jahrzehnt, in dem sich vieles für unser Land entscheiden wird. Hoffentlich nicht von Ihnen, Frau Merkel, und ihren Getreuen. Hört, es wird sich entscheiden wie wir Gerechtigkeit und (jetzt ganz Dicke) Menschlichkeit in einer Welt schützen, die (böse böse Welt) Unrecht, Gewalt und Krieg nicht völlig zu bannen mag. Das ist an Heuchelei nicht zu überbieten und es drängt sich die Vermutung auf, dass Frau Merkel an jenem Institut für Agitation und Propaganda doch was gelernt hat. Was für eine lächerliche Verdrehung der Fakten, was für ein billiger, blödsinniger rethorischer Kniff. (Ja, man muss nur ruhig und leise mit den kleinen Kindern sprechen). Vielleicht nur ein kleines Argument, wenn es gestattet ist, zu Füßen der Frau Kanzlerin eines Landes, das zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört. Ja ja ja, das is ja so naiv.
Und dann kommen Erkenntnisse zur so genannten Finanzkrise, die schon Köhlersche Ausmaße annehmen. Wer soll denn diesen Unsinn noch glauben, Entschuldigung, diesen Versprechen, nach denen nun neue Regeln aufgestellt werden sollen, die das Zusammenballen von Maßlosigkeit und Verantwortungslosigkeit verhindern sollen. Jene Regeln, die eben dieses Zusammenballen erst möglich gemacht haben, sind doch nicht vom Himmel gefallen, sondern sind von genau den Menschen an die Politik verkauft worden, die nach wie vor mit Steuergeldern bezahlt weiter ihr Süppchen kochen. Das Investmentsüppchen an dem sie euch hie und da riechen lassen. Und wenn Sie dann von dem guten Geist des Zusammenhalts sprechen, Frau Merkel, den Sie in diesem jahr der Krise erfahren haben fällt es nicht schwer zu deuten, wie das zu verstehen ist. Und wenn Politiker in Wir-Form sprechen, dann ist das die höfliche Vertuschung der bereits gefassten Pläne die Menschen weiterhin um ihr noch so kleines Glück zu betrügen.
Wörtlich heißt es da: Wir alle können uns fragen, wie wir langfristiger denken können – in der Wirtschaft, bei den Finanzen, in der Sozial- und Integrationspolitik, nicht zuletzt aber auch, indem wir noch mehr in unsere Bildung investieren.
Das ist doch interessant und läßt die Pläne durchschimmern. Wer ist denn das Wir, das nun in Wirtschaft, Finanzen, Sozial- und Integrationspolitik, sowie in Bildung investieren soll. KLAMER AUF heißt das gar Mehrwertssteuer rauf für die Finanzen und die Wirtschaft, weitere Gebühren für die notwendigen Leistungen der Kommunen, und rauf mit neuen Beiträgen für Unis oder auch Schulen etc etc etc. KLAMMER ZU
Wenn das die Pläne sind will ich nur hoffen, dass Sie nicht die Dreistigkeit besitzen ein sechstes Mal auf unseren Bildschirmen zu erscheinen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familien ein erfülltes, ein glückliches und ein gesegnetes Jahr 2010
Weihnachts Wahn Sprache
by ludo on Dezember 25th, 2009
Zwischen Weihnachtsbaum und deutscher Flagge sitzt adrett, herausgeputzt, hübsch anzusehn, fein unser Herr Bundespräsident. Horst Köhler richtet sonor das präsidiale Wort an seine Landsleute, seine lieben, wie er sagt. In weihnachtlicher Ruhe und Geborgenheit, sagt er, kämen wir, die Landsleute, zur Ruhe und würden, wie er meint auf das abgelaufene Jahr blicken. Abgelaufene Wahlen, ausgelaufene Rettungsfonds, vollgelaufene Tresore, und übergelaufene Auftragsbücher der Impfstoffhersteller, ausreichend schimpfstoff für wahr für ein Jahr. Was für ein Jahr?
Ein kurzer Schock zuckt durch sein Gesicht, eine Garantie für Sicherheit und Unversehrtheit, so sagt er, gäbe es nicht. In Winnenden starben grausam 15 Kinder durch die Hand eines Kindes. Wir können´s nicht, so sagt er, verstehen. Nein, können wir nicht. Wir haben weder ihre Leichen noch die der Kinder aus Kunduz gesehen, die angemessen unangemessen an kriegsähnlichen Umständen starben, die armen. Doch nichts für ungut den Soldaten und Innen ein Weihnachtsgruß, stillgestanden, für unsere Freiheit, einig sind wir, so wie im Recht, dass dort die Demokratie aufblühen muss. Nach 8 Jahren: heiterer Wahlbetrug, Fälschung, Lügen und Hass, aber von blühenden Landschaften verstehen wir was.
Achtsam leben, das heißt auch, so sagt er, sich für eine gerechte Ordnung einsetzen, hört hört, bei uns, jawoll, und in der Welt. Da gibt es noch viel zu tun, so hören wir, hat er erkannt. Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft mahnt er an, der Mann aus den christlichen Reihen. Zucken werden sie die Herren, läßt man ihnen solch harte Worte angedeihen. Die Systemrelevanten, die Hebeldrücker, Speichellecker, die Kapitalvollstrecker, greifen ungerührt weiter ins volle und treiben´s dolle wie eh und jeh auf dem Rücken der Kleinen und meinen ihr Gieren und Geifern sei Recht und das Jammern des Volkes nur billig. Aber für wahr, wie man so sagt, wie sind außer Gefahr denn die Erkenntnis des Herrn Köhler lautet wir brauchen Verständnis dafür, dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf. Völker hört die Signale. Recht hat er, der Mann, und es kommt der Tag da die Völker erkannten, dass sie sie nicht mehr brauchten die systemrelevanten Onkels und Tanten. Und so stimmen wir einig mit dem Staatsoberhaupt ein:
Wir hatten gemeinsam Freude an der Erinnerung an den Mauerfall vor zwanzig Jahren.“Wir sind das Volk!”
Ja
Der Ruf von damals ist bis heute Auftrag für jeden von uns.
So sei es.
Denn die Demokratie, das sind wir alle. Und wir können alle etwas tun für unser Land.
Dann wäre der Vorschlag: Nehmen wir den Verursachern, die schachern, die Macht aus der Hand und nageln sie an den Geboten jenes Heilsbringers fest, dessen Geburt sie angeblich feiern.
Das schafft Vertrauen. Und jeder von uns kann dazu beitragen.
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr Ihnen allen.
Wahrheiten BeKunduz
by ludo on Dezember 15th, 2009
Nach seiner Vereidigung
saß der Minister für Verteidigung
fleißig über all den Fakten
über den Krieg
über den Akten
kam dann zu einer, wie er sagt, Bewertung
was konnte er schon mehr tun
nannte, was er kannte angemessen
schlug die Akten Fakten zu und ging zum Essen
Doch im Ministerium
Ging der Geruch von Mord und Totschlag um
Man munkelte, dass aus den Akten
Arme, Beine, Füße, Köpfe
von Männern und von Kinder ragten
so änderte man, wie er sagt, die Bewertung
was konnte man schon mehr tun
setzt vor das angemessen flux die Silbe un
und ließe lieber die Sache still auf sich beruhn
Doch was selbst Verteidigungsministerchristen wissen müssten
dass selbst wenn man Verteidigungsministerprivilegien genießt,
dass selbst wenn sich Verfassung und Anstand gleichzeitig verpissten
dass es selbst Im Krieg Mord ist, wenn man auf Zivilisten schießt
So ist der Minister der Verteidigung
das Ministerium der Verteidigung
für die Verteidigung
schlicht
eine Beleidigung
Obama und der Nobelpreis
by ludo on Dezember 10th, 2009
Es ist übrigens wohl auch ein Zeichen einer Kultur und ihrer Werte, wie diese mit ihrer Sprache umgeht, wie sehr sie sich diese verdrehen lässt, wie sehr sie die Achtung vor Tönen und zwischen Tönen achtet.
“Dass Gewalt manchmal notwendig ist, ist kein Zynismus, sondern Anerkennung historischer Tatsachen.” so Obama
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama ist ein unglückseliger Kniefall der so genannten Realisten, Rationalisten vor dem selbsterschaffenen Schicksal der Notwendigkeit des Krieges.
“Krieg ist manchmal notwendig” so der Preisträger, den man vielleicht nicht ausschließlich im Vergleich mit Bush sehen darf und deswegen schon froh ist. Was hier passiert ist, ist nichts weiter als ein weiterer Schritt in der verlogenen, hofknicksartigen Strategie den Krieg salonfähig zu halten und um, ja man muß es so deutlich sagen, weiter daran zu verdienen. Es ist ein bedauernswerter Schlag ins Gesicht der meisten bisherigen Preisträger und vor allem der Idee des Preises. Obama und das Komitee mögen sie sich noch so rhetorisch winden haben den Preis hiermit aufgegeben, denn er gebührt ausschließlich den Utopisten, den Aufrechten, die trotz aller verdammter Vernunft an eine Welt ohne Krieg glauben.
Wiki: Der Friedensnobelpreis ist eine Kategorie des von dem schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel gestifteten Nobelpreis. Nach Maßgabe des Stifters soll er an denjenigen vergeben werden, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat.
Abel - Kapitel 3: Glaubwürdigkeit - Teil 5
by ludo on Dezember 10th, 2009
“Mann, Mann, Mann sieh dich nur an. Hey, was ist mit dir los? Du solltest mal dein Gesicht sehen. Das müssen ja höchst tragische Gedanken sein, was, schwermütige Erinnerungen. Na, hast du vielleicht irgendwann, irgendwo eine prächtige Chance verpasst, Max.” Rick drehte seinen Kopf nicht zu mir während er sprach. “Es dauert nicht mehr lange, dann sind wir da.”
Als Patur nach einer Woche wieder zu mir kam um Mr. Sandman abzuholen brachte er eine besonders gute Flasche Rotwein mit, eine wirklich vorzügliche Flasche. Ich weiß nicht, ob sie nun objektiv wirklich so außerordentlich vorzüglich war, oder ob ich sie mir in meinem Kopf so vorzüglich machte, weil mit ihr der Abschied von Mr. Sandman gekommen war. (Eine Flasche Wein objektiv zu beurteilen, überhaupt objektiv beurteilen zu wollen, ist natürlich vollkommener Unsinn. Es gibt überhaupt keine objektive Flasche Wein. Eine Flasche Wein ist etwas allerhöchst subjektives. So subjektiv wie irgend möglich. In etwa so subjektiv, nein, unter allen Umständen bestimmt so subjektiv, variabel, chamäleonartig, unhaltbar, leicht schwindend, neckisch, illusorisch und so wunderbar einfach befriedigend wie ein Orgasmus.) Ob die kleinen Pillen in dem Fläschchen tatsächlich so gifig, oder aber überhaupt giftig waren, weiß ich bis heute nicht. Es steht aber zu vermuten das nicht.
Die Woche mit Mr. Sandman war nicht halb so aufreibend wie ich zunächst gedacht habe. Natürlich hatte ich mir vorgestellt nun Abend für Abend mit dem kleinen braunen Fläschchen zusammen zu sitzen, es immer und immer wieder in meinen Händen zu drehen, vielleicht sogar zu öffnen, kurz daran zu riechen, versunken in rücksichtslose Betrachtungen über den möglichen Sinn beziehungsweise Unsinn meiner Existenz, aber das geschah nicht. Ich stellte Mr. Sandman einfach zu den Gewürzen in den Schrank und dort blieb er unberührt die ganze Woche stehen, so als sei er nichts weiter als etwas, von dem man nicht mehr weiß, was es ist, seit es das Etikett verloren hat, das man aber vergisst wegzuschmeißen, weil es irgendwie schon immer da stand, wo es steht und man es vermissen würde, wenn es plötzlich nicht mehr dort steht und einem befremdlichen Leerraum Platz macht. Ach, das klingt so herrlich souverän, so als wäre nichts selbstverständlicher als die Freiheit die angeborene Sehnsucht nach dem Tod einfach in den Küchenschrank zu den anderen Gewürzen des Lebens zu sperren. Die Freiheit der Gedanken ist zuallererst die Freiheit zur Täuschung, insbesondere der Selbsttäuschung im inneren und der darauf folgenden Vortäuschung einer dem eigenen Wesen entfremdeten Person nach aussen; mit anderen Worten eine Entwesentlichung des eigenen Ichs zugunsten einer schleichenden Verwesung, hingegeben an den komischen Glauben an die Bedeutsamkeit des täglich alltäglichen Ringelreihens mit Anfassen, naja und unter den Umständen kann man schon mal an so einem kleinen braunen Fläschchen riechen. Es riecht nach nichts. Ich hatte mir so gewünscht, dass der Tod einen Duft hat.
Ich hatte es also nicht in den Küchenschrank gestellt, obwohl ich es mir vorgenommen habe, aber der Küchenschrank war noch innerhalb einer von mir vorgestellten Bannmeile, die mich vor Mr. Sandman bewahren sollte. Genau genommen habe ich das Spiel gar nicht mit gespielt. Ich habe das Fläschen in meinem Probekeller hinter die Bierkästen gestellt und den Probekeller die ganze Woche über nicht aufgesucht. Das habe ich allerdings Patur nicht erzählt. Ich dachte wohl, das hätte ihn enttäuscht und ich wollte unser kleines Duo nicht aufs Spiel setzen. Ich schätzte das musizieren mit ihm sehr. Die Auftritte mit ihm hatten immer für mich einen Wert, einen echten Wert eben. Sie waren immer wieder etwas besonders, weniger wegen mir, sondern weit mehr wegen ihm, weil er sich jeden, aber auch jeden Ton immer wieder neu erarbeitete, weil er keinen, nicht einen einzigen Ton für selbstverständlich erachtete, weil er sich der Musik unterwarf und sie nicht zu seiner Selbstdarstellung missbrauchte. Sein Anliegen war ein ernsthaftes Anliegen einem Musikstück gerecht zu werden, ihm zu huldigen, mit ihm zu verschmelzen. Patur sang die Lieder nicht einfach, nein, er ließ sie entstehen, immer wieder aufs neue entstehen, so als würden sie in dem Augenblick, in dem sie seine Lippen verlassen geboren.
Ich kann mich an einen Abend vor ca. zwei Monaten erinnern. Wir spielten in einer hübschen kleinen Bar in Salzburg. Es war der Geburtstag des Barinhabers, Charles to Savour, eigentlich hieß er Karl, ein schräger Typ, der sich mit dieser Bar und zwei afrikanischen Nutten, die er beide liebte, wie er sagte, über die Kokainexzesse der 80ger gerettet hatte. Es gab keine Gage. Kost und Logie.
Unser Auftritt war schon längst beendet. Die meisten Gäste hatten sich in ihren Rausch zurückgezogen und die Reibung an der Realität kostete sie immer mehr Kraft, die sie vielleicht noch der Pflicht entnehmen konnten ihren jeweiligen Rollen gerecht zu werden. Ich hatte mich gerade in den hinteren Teil der Bar an einen Ecktisch zurückgezogen und arbeitete an einer Position, die mir etwas Schlaf ermöglichen würde, als sich Patur zu mir setzte. “Einmal mein lieber Max, einmal nur für mich, bitte.”
“Hör mir gut zu mein Freund, mir ist kotzübel, ok, also und aus diesem kühlen Grunde werde ich mich jetzt auf die Toilete begeben und ins Klo brüllen, so wie ich noch nie ins Klo gebrüllt habe. Dann werde ich mir den Mund ausspülen, die Hände waschen und an die Bar gehen, um zu sehen, ob ich noch einen Espresso bekommen kann. Und dann, mein lieber Patur, und dann, ja, dann, werde ich mich mit meinem Espresso an das Klavier begeben und dir diesen einen Gefallen tun, um deinetwegen, bitte sehr, oder meinetwegen, bitte sehr oder auch immer, für wen, verstehst du das?”
Patur nickte. “Gut, dann los.” An die Details der nun auf der Toilette folgenden eruptiven Entleerung meines Körpers kann und will ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfalls muss sie derart heftig gewesen sein, das ich mich mit meinen Armen gegen die Klowände sperrend einklemmen musste um nicht nach hinten über zu kippen. Außerdem hatte ich am nächsten Tag unter einer Art Muskelkater im oberen Bauchbereich zu leiden.
Rick blickte weiter starr auf die Straße. Mit diesem Gesicht hätte er ein wunderbarer, ein unheimlicher Pantomime werden können.
Dann klangen die ersten Töne in mir auf. Das war es, ja, das war es, so mußte es Abel ergehen, wenn er das Klavierkonzert in sich auf klingen lässt, kurz vor einem Banküberfall, oder wenn er die Waffe hebt, wenn es darum geht sich zu sammeln. Ich legte meine Handflächen auf meine Oberschenkel und lauschte. Erst nur ein kleiner Lauf, sich wiederholend wie ein sentimentales Selbstzitat und dann nur ein kurzer Auftakt, an sich sich sofort Paturs stimme schmiegte.
“Maybe this time……..”
Ich weiß nicht wie viel Mühe und Hingabe es ihn gekostet hat sich diesem Titel aus Cabaret gefügig zu machen, für ihn einen Atem zu finden, damit seine rauhe, zutiefst männliche ihm Stimme gerecht würde, und ja, mein Gott, es gelang ihm. Es war wie ein Wunder. Es war als wäre dieser Titel diese unbändige Kraft nicht für die einzigartige Liza Minelli geschrieben worden, für ihre grandiose Stimme, ihre großen Augen, die der Welt alles abverlangten, sondern für ihn, für Patur, diesen gestrandeten Nordmenschen, mit seinen kleinen traurigen Augen, die aber jetzt, jetzt wo er zum Schöpfer dieses Liedes wurde, sich jetzt über all den Alkohol und die Drogen hinwegsetzten und ebenso strahlten wie ihre.
Ich gab ihm Mr. Sandmann zurück. Wir tranken diese vorzügliche Flasche Rotwein, genossen sie und Patur stand auf, bedankte sich und verschwand. Nein, die Pillen war nicht giftig. Wie ich hörte ist er irgendwo in Norwegens Fjorden ins Wasser gegangen, singend, denke ich.
Abel - Kapitel 3: Glaubwürdigkeit - Teil 4
by ludo on November 26th, 2009
Doch das eigentlich schlimme war, er hatte recht, wahrscheinlich hatte er recht. Scheiß drauf. Worüber soll ich mir Gedanken machen? Was könnte wohl passieren? Wovor verdammt sollte ich Angst haben? Ich sollte einfach nach draußen sehen und die Landschaft genießen, die herrliche Natur, die wunderbare anmutige Natur, die Schönheit dieser elend selbstherrlichen Natur, die sich wohl einen Dreck darum kümmern würde, was aus so Idioten wie mir werden würde; ob ich mich nun mit Rick in diesem Auto überschlagen und verbrennen würde oder alt und sabbernd auf Blümchenkissen dem lieben Herrgott mit dem Arsch voraus entgegen schiele.
Schöne Landschaft, was für eine schöne Landschaft. Scheiß Landschaft. Ich fühlte mich wie damals, gar nicht so lange her, 1 Jahr vielleicht, damals, als ich, wie ich es nannte, an der Grenze stand. Verbrauchter Begriff, aber wahr. Mit dem großen Zeh, dem Hobbitzeh, über dem Abgrund.
Ein kleines hellbraunes Fläschchen mit einem weißen Schraubverschluss, ohne Aufschrift. Patur hatte es mitgebracht. Er hatte es, während wir uns, wie so viele betrunkene oder bekiffte Grinsesäcke, gerade jede Menge von Monty Python Zitaten um die Ohren gehauen haben ohne Kommentar auf den Tisch gestellt. Ein Lachkrampf kann durchaus schmerzhaft sein. Eigentlich hatten wir uns getroffen um zu proben. Patur hatte eine schöne, tiefe, rauchige Stimme. Er sang zwar nicht immer sauber, aber das machte nichts. Wenn er sang verlieh er jedem einzelnen Song seine eigene ganz spezielle Note, das Patur Patina, etwa zwischen Tony Joe White und Lucio Dalla. Irgendwie passte seine Stimme nicht zu seinem nordisch blassen Aussehen. Wenn es stimmte, was er mir erzählt hat dann ist er vor ca. zwei Jahren während eines Europatrips ausgerechnet in München hängen geblieben. Natürlich war eine Frau im Spiel, aber die ist inzwischen nach Pirmasens gezogen. Natürlich war ein Mann mit mehr Moneten im Spiel. Wir hatten als Duo (Patur Patina) ein kleines Programm mit Liedern von John Kander und George Gershwin und spielten es zwei mal im Monat in einer dieser Bars, die betont hip und doch nichts anderes als arrogant waren (aber es gab guten Rotwein, dumme Frauen und unkompliziertes Kokain). Ich hatte dem Fläschchen keine weitere Bedeutung zugemessen. Mein sogenannter Proberaum war eigentlich ein ganz normales Kellerabteil. Holzlattenkäfig, Holzlattentür, Abus-Schloss. Ich hatte es mit Schaumstoff, den sprichwörtlichen Eierkartons alten Messeteppichen dilettantisch abgedämmt und das alte Klavier reingestellt, das ich von Onkel Herbert geerbt habe. Onkel Herbert der gutmütige pausbäckige Mann, Gärtner, verrückt nach Süßigkeiten, Torten, Sahnetorten im speziellen. Eine Wespe hatte sich in einer stattlichen Portion Schlagsahne vergraben, die er auf ein ebenso stattliches Stück Buttercremetorte geschaufelt hatte. Sie hat ihn unterhalb des Adamsapfels in die Speiseröhre gestochen. Die roten Pausbacken liefen kurz blau an, die Augen traten hervor. Die Speiseröhre schwoll, nicht zuletzt wegen einer Allergie gegen Insektenstiche jeder Art, die er schon als Kind gehabt hatte, in windeseile an und drückte so fest auf die Luftröhre, dass er röchelnd zusammenbrach, sich noch eine Weile krächzend auf dem Boden herumwälzte und zu guter letzt in Panik an einem Herzversagen verstarb.
In allen Probenräumen dieser Erde liegen Pizzakartons.
“Mister Sandman, bring me a dream
(Bung, bung, bung, bung)
Make him the cutest that I’ve ever seen
(Bung, bung, bung, bung)
Give him two lips like roses in clover
Then tell him that my lonesome nights are over
Sandman, I’m so alone
Don’t have nobody to call my own
Please turn on your magic beam
Mister Sandman, bring me a dream
(bung, bung,bung,bung,bung,bung,bung,bung,
bung,bung,bung,bung,bung,bung,bung,bung,
bung,bung,bung,bung,bung,bung,bung,bung,
bung,bung)”
Toll, Patur kann singen und gleichzeitig in der Nase bohren. Die zweite Hand klatschte mit jedem bung bung bung auf den Oberschenkel. Am Ende seines Vortrages stand er auf, streckte die Arme von sich und verbeugte sich galant wie ein alter Showstar. “Möchtest du das vielleicht in unser Programm aufnehmen?”
“Nein, mein Freund, ich möchte dir eine ganz speziellen experience geben.” Sein deutsch war nicht besonders. Er griff nach dem Fläschchen und hielt es mir ganz dicht vor die Augen. “Das hier Piano Mann ist Mister Sandman.”
Ich öffnete kurz die Augen. Am Irschenberg steht ein McDonalds mit Alpenblick
“In Dänemark in meine Famillie gab es einen ganz verrückten Großvater. Uralter Mann. Arzt. Hat so geforscht über Pflanzengifte und so. Er hat den Sandman gemixt. Hat viele Ratten das Leben gekostet. Es reichen 13 Pills. Es gibt keine Schmerzen. Just a smooth fade out. Als er gemerkt hat wie gut und leise Mr Sandmann wirkt hat er ein Spiel erfunden. Resist Mr. Sandman. Ein Spiel für die lange dänische Winter. Isch möchte es mit dir spielen. Ich lasse den Sandmann für eine Woche zu Besuch hier und nach einer Woche hole ich ihn wieder ab. Das ist alles. Es gibt kein so gutes Spiel sonst, das man alleine spielen kann.” Bedächtig stellte er Mr Sandman zurück auf den Tisch, “Wir sehen uns nächste Woche” und ging. Bung bung bung bung.
Der Hobbitzeh zuckte.
Angenommen ich würde das Spiel verlieren, angenommen, die Haut ablegen, die Zeit, weil aus der Verwunderung über mein alltägliches Aufwachen ein stetiger, dummer Schmerz geworden ist, dem ich nichts mehr entgegen zu setzen habe, angenommen, den Namen ausziehen, weil das Ich nicht mehr an den Konturen festhalten möchte, dem unheimlichen Zwischenraum zwischen mir und dem allernächsten, das, wenn es denn gelingt, nur eine Berührung vortäuscht, angenommen, mit den Fingernägeln nicht mehr an der Oberfläche kratzen, oder ein wenig darunter, je nachdem wie differenziert das Vokabular ist, die Klaviatur, die eingefleischte Komposition und der darin vermutete Wohlklang, wenn es den gelingt, klingt, so wie der Applaus es vermuten läßt, weil auch das Mitmenschentum der Mathematik der eigenen Sehnsüchte verpflichtet ist, angenommen, die Augen fallen aus dem Kopf heraus, aus dem sie bis eben gerade noch heraus geglotzt haben, oder sich verdreht, meistens geschielt oder sich hinter dünnen Hautvorhängen versteckt, verkrochen, verzogen, angenommen ich würde das Spiel in diesem Sinne gewinnen, nicht mehr nach vorne gebeugt, kurzatmig, stotternd, aber adrett, die Spielregeln deklinierend, gewinnen, nicht den Schmerz, sondern die Fähigkeit zum Schmerz ablegen, die ausgewachsene DNS, der Klangkörper, in dem selbst die Einsamkeit einen Ton findet und ihn erschüttert, angenommen die Narben würden alle aufbrechen und die Empfindung entlassen, angenommen…… es gäbe dann keine Freiheit zu gewinnen, aber es würde schon ausreichen, wenn es auf hört, nicht mehr ist, schweigt, das Schmerzgetier, angenommen ich könnte nicht widerstehen, und ich müßte erklären warum, ich könnte es nicht.
Kommentar zu dem Tagebucheintrag von Konstantin Wecker
by ludo on November 8th, 2009
Ich möchte die Gelegenheit ergreifen und auf den Tagebucheintrag von Konstantin Wecker sowie den Artikel in der Zeit eingehen, ja und dazu auffordern dies ebenfalls und lautstark zu tun. Die einfache These, die ich dazu in den Raum setzen will, heißt: Kultur ist kein Luxus. (Hierzu die Einladung sich an der Diskussion zu beteiligen. Ich habe mir erlaubt eine Facebookgruppe gleichen Titels zu gründen)
Das Verhältnis des Staates zur Kultur ist für mich kaum noch erkennbar. Es ist Lustlos, fadenscheinig, ja plump, und geistlos wie der Staat selbst.
Das hochdekorierte Feigenblatt subventionierter Hochkultur verdeckt es ebenso wenig, wie Sonntagsreden über Vielfalt, oder das zuweilen komisch anmutende Flanieren über rote Teppiche. Nein, es geht mir nicht darum die eine, also die hochsubventionierte Kultur gegen die Basiskultur auszuspielen (auch wenn es sicher politische Kräfte gibt, denen das recht wäre) Es geht darum eine bestimmte Haltung zur Kultur bloss zu stellen.
Ich bediene mich dazu eines Zitates des bayerischen Staatsministers für Wissenschaft, Forschung und Ecce! Kunst, bezüglich der Förderung der Festspiele in Bayreuth: „Wir werden die Marke Bayreuth nicht vernachlässigen, im Gegenteil, wir werden sie in Zukunft forcieren“ Ich wiederhole es geht nicht darum die Förderung dieser Festspiele in Frage zu stellen. Nur es ist deutlich zu sehen wie hier Kultur begriffen wird. Der gesellschaftlich essentielle Wert der Kultur wird lediglich im Kontext der materiellen Verwertbarkeit begriffen und dient daher zuallererst der unverschämten Dekoration des Staates.
Schluss! Aus! Basta! Kultur ist und bleibt die organische Kraft innerhalb einer Gesellschaft, in der sie sich gestaltend wiederfindet und weiterentwickelt. Sie ist ganz bestimmt keine Marke.
Die Folge dieses Denkens ist die Frage nach der VerWertbarkeit kultureller Bildung in den Schulen. Das gilt wie Konstantin Wecker richtig herausgestellt hat für die Musik, aber ebenso, nur um es der Vollständigkeit halber anzufügen, für die Literatur und auch für die bildenden Künste. Wenn ein Staat, was zunehmend schwer fällt, ernst genommen werden möchte, muss er begreifen, dass er zuallererst auf dem Boden der Kultur gedeihen wird. Sie ist das Herz einer Gesellschaft, der Ort, an dem sie fühlt und gefühlt wird. Ja, und zum Leidwesen der Technokraten auch der schützenswerte Hort von Widerstand und Revolte, dort, wo es notwendig wird.
Ach und was das sogleich aufdämmernde Finanzierungs-Verwertbarkeits-Totschlagargument angeht, so lasst euch Verwaltern gesagt sein: öffnet den Staatsetat der Mitbestimmung der Bürger. Wir werden schon Möglichkeiten finden. Aber sicherheitshalber heißt es dort: „Das Haushaltsgesetz schafft die finanzielle Grundlage für das Wirken der Staatsregierung und der Verwaltung für die Dauer von zwei Jahren (Doppelhaushalt). Ein Volksentscheid über den Staatshaushalt ist ausgeschlossen.“ Hört hört. Es ist unser Staat, es ist unser Geld, und es ist Teil unserer Kultur es einzufordern. Für Bayreuth ebenso wie für alle anderen.
Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre.
Friedrich Schiller, Die Räuber”
Die Facebookgruppe findet sich hier:
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Abel - Kapitel 3: Glaubwürdigkeit - Teil 3
by ludo on November 5th, 2009
Rick nahm den direkten Weg auf die Autobahn in Richtung Salzburg. Wie schnell die Stadt doch verschwindet. Sie gebärdet sich immer so groß, so wichtig, so lebendig, bedeutend, bestimmend und doch, nach nur wenigen Minuten auf der Autobahn ist sie so gut wie vergessen. Das einzige, was den Blick in die Welt dann noch bestimmt sind die graublauen Berge dort vorne, auf so eine ganz andere Weise selbstherrlich, majestätisch, siegesgewiss und weit ab von allem, was etwas bedeuten möchte. Rick saß ruhig und gelassen am Steuer. Ich wagte es kaum länger zu ihm hinüber zu sehen, da ich befürchtete er würde merken, dass ich ihn mustere, also hielt ich meinen Blick zwanghaft nach vorne.
“Hat es je einen Plan für einen Anschlag gegeben?”
“Könnte sein es gibt ihn noch.” Ich glaubte ihm kein Wort. Ich fühlte mich betrogen, peinlich beschämt, wie jeder, der Opfer eines dummen Streiches geworden ist. Aber offensichtlich wollten sie es nicht bei diesem Streich belassen, sonst hätten sie mich auch einfach dort liegen lassen können.
“Im Handschuhfach ist meine Sonnenbrille. Wärst du bitte so nett, sie mir zu geben?”
Ich öffnete das Handschuhfach. Es waren Haufenweise Landkarten darin, Städtekarten. Wien, Rom, Lissabon. Sowie Kopfschmerztabletten, ein Notizblock…..
“Links an der Seite.” ….. und die Sonnenbrille. Ich reichte sie zu Rick hinüber.
“Wie lange werden wir fahren?”
“Oh, es ist nicht weit. Eineinhalb Stunden vielleicht, eher weniger.”
“und wohin geht es? In euer Hauptquartier?”
Rick lächelte. “Naja,” sagte er “so könnte man es nennen. Aber das klingt doch ein bißchen zu militärisch.”
“Ach so, ich dachte ihr wäret vielleicht so was wie eine kleine paramilitärische Organisation.”
“Nein, mein lieber, das trifft es wohl kaum?”
“Sondern?”
“Sagen wir eine Art Bruderschaft.”
“Klingt ja geheimnisvoll.” Rick lächelte wieder, so wie jemand, der etwas weiß, dass er dem anderen keinesfalls mitteilen würde, wie jemand, der sich insgeheim auf das Gesicht desjenigen freut, wenn dieser schließlich dahinter kommt und mir war klar, dass ich mit meinen Fragen nicht weiter kommen würde, also wechselte ich das Thema.
“Wie ist die Wahl ausgegangen?”
“Die SPD ist ein Trümmerhaufen, die FDP strahlender Sieger, das bedeutet Merkel und Westerwelle stehen auf der Brücke.” Es ist also gekommen, wie erwartet und befürchtet. “Aber, Max, das wird zunächst einmal nicht dein größtes Problem sein.” Rick drehte kurz den Kopf zu mir und hob frech seine Augenbrauen an. Ich konnte nicht darauf antworten, aber ich spürte wie sich in mir ein deutlichter Fluchtimpuls rührte. Wir donnerten mit bestimmt 200 Sachen über die Autobahn. An Flucht war nicht zu denken. “Keine Angst, du wirst es überleben.” Als ich vor weniger als 24 Stunden die vermeintliche Bombe in meinen Händen hielt dachte ich, es könnte nicht schlimmer kommen, aber offensichtlich habe ich mich getäuscht. Hier ging es wohl nicht um Politik, hier ging es ganz eindeutig um meine Person. Ich stand im Zentrum eines Plans. Ich war das Ziel, und wenn es ganz schlimm kommen würde, war ich das Opfer. Aber was hatte Mia mit all dem zu tun. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie wirklich ein Teil dieses Spiels sein sollte, dass ausgerechnet sie mich in die Falle locken würde. Ich holte eine Situation nach der anderen vor mein geistiges Auge und versuchte über die zeitliche Entfernung hinweg ihr Gesicht zu deuten, vielleicht doch irgendwo eine Doppeldeutigkeit, eine Verschlagenheit oder ähnliches zu finden, ein Zucken, ein verhuschter Blick. Vielleicht ist sie von ihnen erpresst worden? Das macht keinen Sinn. Ich bin absolut niemand, vollkommen unbedeutend. Wozu sollte sich jemand die Arbeit machen, das Risiko eingehen, Zeit verschwenden. Nein, ihre Begeisterung ist echt gewesen. Sie war absolut von der Sache überzeugt. Sie hat an Abel geglaubt. Sie stand fest an seiner Seite. Ich weiß nicht wer sie so zusammengeschlagen hat, aber es war sicher nicht Abel. Er hatte damit nichts zu tun. Es sei denn…….. Die Gedanken rauschten herrenlos durch meinen Kopf. Es war unmöglich eine Ordnung zu schaffen, ein Folge, Zusammenhänge, Ursache und Wirkung. Ich wußte ja nicht einmal wo ich den Anfang machen sollte. Wo sollte ich einhaken. Das Treffen an der Haltestelle? War das der Anfang? Ging von dort alles aus? Das kann nicht sein. Mia saß doch bereits da als ich an die Haltestelle kam. Das würde ja bedeuten, dass sie auf mich gewartet hat, aber sie wußte doch gar nicht, ob ich überhaupt dorthin kommen würde.
“An deiner Stelle würde ich aufhören darüber nachzudenken. Es macht keinen Sinn. Blick lieber nach vorne. Genieß die Landschaft.”
Die Landschaft genießen. Sehr komisch.
“Du mußt lernen zu warten.”
Rick klemmte mit beiden Knie das Lenkrad fest und begann sein Jacke auszuziehen.
“Wenn du nicht aufpasst, lerne ich es bestimmt nicht mehr.” Obwohl wir mit fast 200 Stundenkilometern über die Autobahn rasten, zelebrierte Rick das Ausziehen der Jacke wie eine kleine Zirkusnummer. Entschlossen, sicher und mit dem notwendigen Schuss Leichtigkeit. Er schien den Wagen fest im Griff zu haben. Da ich aber in diesem Falle nicht nur Zuschauer war, sondern im Falle eines Fehlschlages mit betroffen wäre, krampfte ich mich mit beiden Händen in den Autositz. Der kleinste Schlenker würde genügen um einen verheerenden Unfall nach sich zu ziehen. Wir würden uns drehen, überschlagen und in Flammen aufgehen. Rick schlüpfte mit dem zweiten Arm aus dem Ärmel und schmiß die Jacke auf die Hinterbank. “Besser so” Er blickte grinsend zu mir herüber. “Alles Okay?” . Ich nickte stumm. “Als Fluchtwagenfahrer lernt man nicht nur besonders sicher zu fahren, sondern, man lernt auch zu warten. Das allerwichtigste, was du als Fahrer können mußt ist warten, ruhig und gelassen warten. Du weißt nicht, was in der Bank vor geht, verstehst du. Alles, was du weißt ist, dass deine Kollegen schwer bewaffnet in diese Bank hinein gegangen sind und dass sie von dir erwarten, dass du fahrbereit vor der Türe stehst, wenn sie wieder heraus kommen. Die Frage ist nur wie werden sie hinauskommen. Ruhig, zielstrebig, die Umgebung musternd, oder schreiend und schießend; werden alle wieder herauskommen? Was, wenn du plötzlich Polizeisirenen hörst.
“Was tut man als Fluchtwagenfahrer, wenn man plötzlich Polizeisirenen hört?”
“Nichts. Du tust nichts. Alles andere wäre verdächtig. Du bleibst ruhig in deinem Auto sitzen und beobachtest die Situation und erst wenn du wirklich ausschließen kannst, wirklich und letztendlich ausschließen kannst, dass noch irgendjemand deiner Kollegen da rauskommt, legst du den Gurt an, drehst die Zündung, Blinker setzen, umschauen und los. Keine schwierige Situation, schwierig ist es nur solange nichts passiert, solange du in deinen Auto sitzt und wartest. Immer wieder ein Blick auf die Uhr. Es ist wichtig den Kopf leer zu halten. Auf keinen Fall darfst du damit beginnen dir vorzustellen, was wohl im Inneren der Bank passiert. Das macht dich nur nervös, schwitzige Hände, kauen auf der Lippe. Es steigert sich dann immer weiter. Dein Gehirn sucht sich in der Vorstellung ein Problem, das Gehirn ist Problemsüchtig, und wenn es ein Problem gefunden hat, dann konstruiert es um dieses Problem ein noch viel größeres Problem und um dieses ein noch viel größeres Problem, einen erstaunlichen Turmbau der Probleme, bis in den Himmel hinein, solange bis sich endlich das hinterhältige Gefühl der Ausweglosigkeit einstellt. Kurzer, schneller Atem. Deswegen ist es wichtig den Kopf leer zu halten. Leer halten heißt nicht unbedingt nichts zu tun. Das Gehirn ist wie ein kleiner Hund, du musst es nur beschäftigen. Es nimmt alles an. Ein Koan vielleicht. Ich habe mir eines aus einem Buch herausgesucht, das mir Abel einmal zum Geburtstag geschenkt hat. Es lautet: “Goso sagte: Am Beispiel erläutert ist es so, als ob eine große Kuh durch ein vergittertes Fenster ginge. Hörner, Kopf und die vier Beine sind schon durch. Warum kann ihr Schwanz nicht auch noch durchkommen?” Gosos Kuh hat mir über so manchen Überfall hinweg geholfen. Gosos Kuh ist sozusagen meine heilige Kuh. Verstehst du?” Ich glaube, Rick ist ein verdammtes Arschloch, denke ich.
“Wenn ich dich bitten würde, mich aussteigen zu lassen, würdest du es tun?”
“Der Erleuchtete sagt: Er hat mich beleidigt, er hat mich betrogen, er hat mich geschlagen, er hat mich beraubt.
- die frei von Haßgedanken sind, finden gewißlich Frieden.”
Ich glaube ich habe recht. Schade eigentlich, denn ich hatte gehofft ich würde ihn mögen.
(Fortsetzung folgt)
Ei ei ei, ein Wunsch
by ludo on Oktober 20th, 2009
Wunsch
Ich sein
einmal entpuppt
einmal erhoben
enthoben dem Sehnen
einmal
aus dem Gelächter
heraus
aus den Tränen
ein mal
und lächeln
ein mal
so wie ein Gott
vielleicht
Fee, wenn Du erlaubst, meine liebe
das wünsch ich mir

