Archive for Oktober, 2009

Ei ei ei, ein Wunsch

Dienstag, Oktober 20th, 2009

Wunsch

Ich sein
einmal entpuppt
einmal erhoben
enthoben dem Sehnen
einmal
aus dem Gelächter
heraus
aus den Tränen
ein mal
und lächeln
ein mal
so wie ein Gott
vielleicht
Fee, wenn Du erlaubst, meine liebe
das wünsch ich mir

Abel - Kapitel 3: Glaubwürdigkeit - Teil 2

Mittwoch, Oktober 14th, 2009

zu Kapitel 1 und 2

Als ich wieder zu mir kam war Guido Grinse Westerwelle zum Kanzlerinnenmacher aufgestiegen.
“Willkommen zurück.” Die Stimme war mir unbekannt. Falls ich sie jemals gehört hätte, hätte ich sie bestimmt nicht vergessen. Sie klang ungewöhnlich hoch.
Vor mir war keine kleine schwarzrote Pfütze. Um mich herum brummte es. Mühsam wälzte ich mich auf den Rücken und blickte in ein grell weißes Neonlicht. Mein Schädel schmerzte entsetzlich und ich war kaum fähig ein Wort zu sprechen. Sofort schloss ich die Augen wieder. Ich bemühte mich in dem pulsierenden Schwarz in meinem Kopf eine Erinnerung zu finden. Delilah!
“Was habt ihr mit Delilah gemacht?” Ich hielt meine Augen geschlossen und hoffte es würde nicht so schlimm kommen, wie ich im Augenblick befürchtete.
“Sie ist ein hübsches Mädchen?” Eine Wasserleitung tropfte auf ein hohles Metall. “und selbstverständlich wußte auch sie worauf sie sich einlässt.” Ich öffnete die Augen und drehte meinen Kopf zur Seite um dem Licht auszuweichen. An der Wand hockte ein dürrer, hagerer Mann, neben ihm stand das Paket, das ich für eine Bombe gehalten habe. Der Mann grinste und klopfte mit einem Fingerknöchel auf das Paket, so wie man an eine Türe anklopfen würde. “Hallo! Jemand zu Hause” Ein Spaßvogel offensichtlich “Nein, keine Angst, das ist vollkommen ungefährlich.” Er legte sein Hände an den Fingerspitzen aneinander.
“Was habt ihr dem Mädchen angetan?”
Er ließ seine Mittelfinger rhythmisch gegeneinander tippen und flüsterte wie in einem Kinderreim. “Das Mädchen, das Mädchen, das Mädchen…”
Offensichtlich wollte er mir nicht direkt antworten. Ich rappelte mich mühsam auf und lehnte mich gegen einen der Heizungskessel. “Habt ihr sie auch so zusammengeschlagen wie Mia?” Er blicke auf und fixierte meine Augen. “Niemand von uns würde Mia je etwas zu Leide tun.”
“Aber Delilah schon. Sie ist ja wohl bloss eine Handlangerin, eine hübsche kleine Handlangerin. Womit habt ihr sie erpresst. Aufenthaltsgenehmigung?” Der Mann senkte seinen Blick wieder nach vorne auf den Boden. “Das ist nicht unser Stil.”
“Stil? Entschuldigung, aber ich kann keinen Stil entdecken.”
“Du musst noch viel über uns lernen, mein Freund.” Er griff in seine Jackentasche und holte eine kleine Plastikflasche heraus. “Wasser?” Ich nickte und er warf sie mir herüber. “Also, um dich zu beruhigen. Delilah geht es gut. Sie ist nicht mehr hier im Haus, auch nicht mehr hier in der Stadt, aber du musst dir keine Sorgen machen. Sie hat ihren Job gut gemacht, hat bekommen, was sie verdient hat und darüber hinaus eine Anstellung mit etwas mehr Aussicht als hier.” Ich nahm einen Schluck Wasser. “Und, um deine Frage vorweg zu nehmen. Nein, du kannst sie nicht wieder sehen. Vorerst zumindest nicht. Später…..viellleicht. Wir werden sehen.”
Das Wasser schmeckte wunderbar. “Oh entschuldige, ich habe mich gar nicht vorgestellt. Ich bin Rick.”
Er hob kurz die Hand. Das also ist Rick. Er ist noch größer als ich mir vorgestellt habe, sicherlich etwas über 2 Meter. Hier vor mir sitzt nun der Chorknabe. Wieso sitzt hier vor mir der Chorknabe? Ich hatte mir den Chorknaben doch nur vorgestellt. Ich hatte ihm den Namen gegeben. Er war nicht mehr als die Dekoration gewesen, die ich um Abel herum aufgezogen hatte, um aus ihm in meiner Vorstellung den Bankräuber zu machen, den ich mir wünschte.
Es würde mich nicht wundern, wenn ich jeden Augenblick aufwachen würde und in meinem Bett liege. An welchem Zeitpunkt würde ich wohl aufwachen? Nach dem Verhör mit Ehrenbacher, oder noch davor, oder noch bevor ich Abel überhaupt kennen gelernt habe. Was war sicher? Was wusste ich sicher? Das Treffen mit Mia? Ja, das war sicher. Das ist passiert. Das ist genau so passiert, wie ich es in Erinnerung habe. Zumindest bis zu dem Augenblick, als ihr Handy in der Tasche läutete. Das war sicher und dass mir Chris Naaken vor vielen Jahren in die Fresse geschlagen hatte, so wie ich es wohl eben geträumt hatte, so wie es eben als ich hier auf dem Boden lag nochmals in mir aufgestiegen ist. Dieser Schlag war ein Teil meiner Person geworden, ein unverrückbares Kalendarisches Ereignis in meiner Biographie. Das konnte ich feststellen, aber was war mit Abel, mit Ehrenbacher, Rick, Delilah und Mia. “Ich möchte mit Mia sprechen.” Rick erhob sich zu seiner ganzen Größe, machte einen Schritt auf mich zu und reichte mir die Hand, um mir aufzuhelfen. “Sicher, das wirst du.” Ich blickte ihn regungslos an. “Wann?”
“Alles zu seiner Zeit.”
“Was soll das heißen? Wenn es dein Boss erlaubt?” Rick streckte mir seine Hand noch etwas näher. “Abel ist doch dein Boss, oder?” Rick lächelte. Er zog seine Hand zurück und hockte sich vor mich hin. Dunkelbraune, fast schwarze Augen. Seine Haut spannte sich über seinen Schädelknochen, so als sei sie nicht mit ihm mit gewachsen, so als ob er plötzlich durch sie hindurch brechen könnte.
“So könnte man es nennen, aber unser Verhältnis ist weit freundlicher, wie du weißt. Schließlich haben wir einiges zusammen durchgemacht in den letzten Jahren.”
“Woher soll ich das wissen?”
“Das kann ich dir leider jetzt nicht beantworten. Doch es wird eine Antwort darauf geben. Nicht jetzt, aber in Zukunft. Die Dinge sind nie so offensichtlich wie sie erscheinen und deswegen sollte man auch nichts überstürzen. Alles schön der Reihe nach ein Schritt nach dem anderen. Das ist alles, was ich dir im Augenblick sagen kann.” Er schlug sich mit den flachen Händen auf die Oberschenkel. “Also, wollen wir los?”
“Wohin?”
“Na, zu Abel. Du möchtest doch sicher Antworten auf deine Fragen haben.”
Allerdings, das wollte ich. Rick half mir hoch. Bevor wir uns auf den Weg machten heftete er mir ein kleines Namenschildchen an mein Hemd. “Damit niemand auf dem Weg nach draussen Fragen stellt. Du verstehst, man kann ja schließlich nicht irgendjemanden in seinem Keller herumkrabbeln lassen.” Er zwinkerte mit einem Auge.
“Verstehe.” Benjamin L. Willard, Sicherheitsdienst, stand darauf zu lesen. Rick hob zackig die Hand zu einem Militärgruß an seine Stirn. “Zu ihren Diensten, Captain.” Humor hatte er, das musste man ihm lassen. Wir machten uns auf den Weg durch die Kellergänge hindurch nach draussen. Auf dem Lieferantenparkplatz stand der schwarze Audi mit dem Mia damals verschwunden war. Also, wenn es ihnen darum ging mich zu verwirren, oder auch um mich immer weiter an sich zu ziehen, dann hatten sie ganze Arbeit geleistet. Alles schien wie ein großer Plan, alles schien, als wäre es nur für mich inszeniert.
Mit einem kurzen Piepen öffnete Rick das Auto. Wir stiegen ein und fuhren los.

(Fortsetzung folgt)

Entscheidung

Montag, Oktober 12th, 2009

Abel - Kapitel 3: Glaubwürdigkeit - Teil 1

Freitag, Oktober 9th, 2009

zu Kapitel 1 und 2

Eine kleine schwarzrote Pfütze Blut, direkt vor meinen Augen. Keine Schmerzen. Ich kniete auf allen vieren. Der Faustschlag von Chris Naaken hatte mich direkt im Gesicht getroffen und auf den Boden geschickt. Noch niemals hatte ich einen solchen Schlag abbekommen. Ich war 14 Jahre alt und alle Rangeleien, in die ich bis dato verwickelt war, waren meist glimpflich abgelaufen. Bis eben gerade, bis zu diesem ganz und gar ungerechtfertigten, ungerechten Schlag in mein Gesicht.
Der Begriff Verbitterung war mir zu diesem Zeitpunkt bereits begegnet, aber er hatte einen etwas altmodischen Klang, denn ich hatte ihn noch nicht mit Erfahrung gefüllt. Rückblickend jedoch kann ich sagen, dass an diesem Septembertag womöglich der Grundstein für jene Gemütszustand gelegt wurde, den ich heute mit dem Wort Verbitterung beschreibe.
Der Anlass für diesen Vorfall ist, von aussen betrachtet, gänzlich bedeutungslos. Lediglich eine Auseinandersetzung um einen möglichen Regelverstoß im Rahmen eines Fussballspieles. Ein bedauerlicher Zwischenfall, dem aber keine weitere Bedeutung zuzumessen ist, von aussen betrachtet. Von aussen betrachtet ist jedwede Betrachtung immer die Verniedlichung eines Umstandes durch einen Betrachtenden, dem die Wirkung des Vorfalls im Betrachteten fremd ist, und der lediglich die unangenehmen Konsequenzen in Form von Belästigungen vermeiden möchte.
Ganz sicher hatte ich diesen Regelverstoß, nämlich ein Foul gegen einen Mitspieler aus meiner Mannschaft zurecht moniert. Ein Foul, das zumindest einen Freistoß nach sich ziehen müßte, der unsere Führung im laufenden Spiel möglicherweise unangreifbar gefestigt hätte, ein sportlich erstrittener Sieg, eine Entscheidung in der letzten Viertelstunde der Spielzeit. Von aussen betrachtet lediglich die Entscheidung in einem unbedeutenden nachmittäglichen alltäglichen Fussballspiel zwischen zwei zufällig zusammengestellten Jungendmannschaften auf einem, der vielen Bolzplätze der Republik.
Die Jugend bedarf der Ertüchtigung durch den Sport. Nicht nur der Körper erfährt hier ein wertvolles Training, sondern auch wichtige soziale Kompetenzen wie Teamgeist, Kameradschaft, aber auch Durchsetzungsvermögen und Siegeswille. Die Ausbildung dieser Tugenden formt aus dem jungen Menschen ein tatkräftiges Mitglied der Gemeinschaft, das willens und bereit ist Verantwortung für sich und seine Mitstreiter zu übernehmen und dessen Ehrgefühl und Ehrgeiz, Hunger, Belohnungshunger, Stolz, die erforderliche Grundlage bilden aus ihm, auch aus ihm, falls nötig einen Täter zu machen.
Chris Naaken brachte alle erforderlichen Voraussetzungen mit, die ihn in zwanzig Jahren als Führungspersönlichkeit und Leistungsträger auszeichnen würden; alle jene lächerlichen Voraussetzungen, die sich an diesem Nachmittag in dem Wissen manifestierten, dass ein bedauerlicher Vorfall zuletzt eine geringere Bedeutung haben würde wie die Nachricht eines Sieges. Ergebnisorientiertes Handeln. Der Geschmack von Blut in meinem Mund war das Ergebnis kleinbürgerlicher Grossmannssucht.
Chris Naaken stand hinter mir. Sein Atem ging schnell. Er hatte die Faust noch geballt, allerdings nicht, um mir noch einen zweiten Schlag zu versetzen, sondern weil es seine Siegerpose besser zierte und weil es alle anderen davon abhielt sich einzumischen. Mein Körper zitterte. Von meinem Bewusstsein blätterte langsam der erste Schock ab, der sich bis jetzt schützend vor die Schmerzen gelegt hatte. Von einem winzig kleinen Punkt irgendwo im rechten Teil meines Unterkiefers begann sich der Schmerz nun über mein ganzes Gesicht vor zu arbeiten. So wie ein Tintentropfen, den man auf ein Stück nasses Papier tropfen lässt, und der sich dann in vielen kleinen Adern sternförmig ausbreitet. Der Schmerz gewann mehr und mehr die Oberhand. Er schwächte zunehmend meinen Körper und gleichermaßen nährte er meinen Zorn.
“Verpiss dich vom Platz, Kleiner, wenn du die Regeln nicht kennst.”
Von aussen betrachtet ein wunderschöner, strahlender, sonniger Septembertag. Die Schuljungs ließen in der spätsommerlichen Atmosphäre noch einmal das Feriengefühl der letzten Wochen in sich aufsteigen, in denen Badenachmittage, Ausfahrten mit dem Fahrrad, eben auch gemeinsames Fussballspiel, heimlicher Alkohol, heimliche Zigaretten und der allgegenwärtige Wettbewerb um das heimliche Befummeln den Ablauf der Welt bestimmte.
Vor weniger als zwei Wochen war ich mit Chris Naaken und anderen um ein Feuer gesessen. Wir hatten Bier getrunken und aus dem Ghettobluster von Steff Thin Lizzy in die Nacht geblasen. Manche von uns hielten große Äste wie Gitarren und gebärdeten sich wie Rockstars vor einem imaginärem Publikum. Mitten in unserem ausgelassenen Gelächter, ich erinnere mich genau, hatte ich auch mit ihm angestoßen. Ich erinnere mich an sein Gesicht im Feuerschein. Es flackert in mir auf. Ich weiß nicht mehr worüber wir gesprochen haben. Es war sicher nicht wichtig. Aber wir haben gelacht, ich erinnere mich. Wir haben uns eigentlich recht gut verstanden, zumindest hat es so ausgesehen, von aussen betrachtet.
Aber das alles hat jetzt natürlich keine Bedeutung. Es hat so der so keine Bedeutung.
Wenn man nun aus dem schönen Spätsommernachmittag heraus einen Schritt näher herantritt, aus der Sonne heraus, vielleicht sogar so nahe heran, dass man unseren Schweiß riechen kann, oder sieht wie winzige weiße Sandkörnchen auf der wackligen Oberflächenspannung meiner kleinen Blutpfütze liegen, dann zeigt sich von etwas näher betrachtet wohl das Szenario eines Machtkampfes, der unnachsichtige Mechanismus, in dem Hierarchien geordnet werden.
Zügelloses Zermalmen und Zermahlen, so scheint es, das allgegenwärtige Recht des Stärkeren. Und wenn man nun noch näher herantritt, durch die Barriere der Epidermis hindurch, Hautschicht für Hautschicht dem durchgeführten Schlag ins Innere folgt so finden sich viele tausende kleine Zahnräder, ineinander verzahnt, die sich drehen, hin und her drehen, sich ausrichten und womöglich durch Schläge wie diese die Richtung wechseln.
Das immer größer werdende Bedürfnis nach Rache, das sich aus meinem Zorn herausschälte richtete sich nicht gegen Chris Naaken. Er ist unbedeutend. Meine Rache richtet sich gegen das Recht des Stärkeren, das sich an mir vergangen hat. Ein Foul ist ein Foul. Es gibt dieses Recht nicht. Der Begriff vom Recht des Stärkeren ist die formvollendete Lüge einer missratenen Vernunft, die aus dem blinden Mechanismus hinter den Hierarchien, eine beherrschbare Kraft machen möchte. Wie dumm. Nicht das sich der Mechanismus gegen mich gerichtet hat, machte mich wütend, sondern, dass er sich blind gegen mich gerichtet hat, dass nicht die Frage nach der Rechtmäßigkeit meines Insistierens auf einem Freistoß den Ausschlag gegeben hat, sondern das dieses berechtigte Insistieren der Schauplatz, der Anlass für die Feigheit des so genannten Rechts des Stärkeren wurde. Nein, mein lieber Chris Naaken, ich kenne deine Regeln nicht, ich begreife sie nicht und bin nicht bereit sie anzuerkennen. Am Ende von Schock, Schmerz, Zorn und Rache steht diese Entscheidung, und da sie einen so weiten Weg hinter sich gebracht hat, war sie gewappnet, und ich stark genug die Konsequenzen daraus zu tragen.
Ich schüttelte meine Kopf, spuckte das Blut aus, sammelte meine Kräfte und begann mich langsam wieder aufzurichten. Es gelang mir mich in eine aufrecht knieende Position zu bringen. Da ich ihm immer noch den Rücken zukehrte wäre es für Chris Naaken ein leichtes gewesen, mich mit einem Fußtritt wieder in den Staub zu befördern. Aber er ließ mich gewähren. Es dauert fast eine Minute bis ich wieder auf den Beinen stand und mich zu ihm umdrehte. “Ich würde jetzt gerne unseren Freistoß ausführen.” Der folgende Schlag traf mich in den Bauch. Mein Körper zog sich in einem einzigen Krampf zusammen. Das Gleichgewicht, Max, gleichgültig was du fühlst, konzentrier dich auf das Gleichgewicht. Fall nicht um. Ein zweites mal zögerte er nicht mir einen Fußtritt zu versetzen. Kraftlos fiel ich in mich zusammen, und fiel, und fiel und fiel…..

(Fortsetzung folgt)

Christian Morgenstern

Donnerstag, Oktober 8th, 2009

„Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas!“

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Mittwoch, Oktober 7th, 2009

Alles Wissen und alle Vermehrung unseres Wissens endet nicht mit einem Schlußpunkt, sondern mit Fragezeichen.
Hermann Hesse