Abel - Teil 7

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Ist der Begriff Verrat zu hoch gegriffen? Darüber mag es unterschiedliche Ansichten geben, in denen man manches dafür oder dagegenhalten mag. An dieser Art politischer Relativierung bin ich nicht interessiert. Vielmehr stelle ich fest welchen Gesamteindruck das Schröder/Fischer - Projekt 4 Jahre nach seinem Ende bei mir hinterlässt.
Bei Wikipedia steht zu lesen: Verrat ist ein besonders schwerer Vertrauensbruch, der die angenommene Loyalität verletzt.
Wieso konnten wir, die wir in den 60ern geboren wurden, auch nur unterstellen, dass sich die Repräsentanten der von uns herbeigesehnten Rot-Grünen Regierung uns oder eben unserer Hoffnung gegenüber Loyal verhalten würden. War es nicht eine uralte sprachliche Weisheit, dass in dem Wort Regierung das Wort Gier enthalten ist.
Nur einen kleinen Klick weiter können wir lesen: Unter Vertrauen wird die Annahme verstanden, dass Entwicklungen einen positiven oder erwarteten Verlauf nehmen. Ein wichtiges Merkmal ist dabei das Vorhandensein einer Handlungsalternative. Dies unterscheidet Vertrauen von Hoffnung. Vertrauen beschreibt auch die Erwartung an Bezugspersonen oder Organisationen, dass deren künftige Handlungen sich im Rahmen von gemeinsamen Werten oder moralischen Vorstellungen bewegen werden. Vertrauen wird durch Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Authentizität begründet[1], wirkt sich in der Gegenwart aus, ist aber auf künftige Ereignisse gerichtet.
(Es steht jedem frei sich nun weiter durch die Begriffe gleiten zu lassen)
Eine Handlungsalternative hatte sich für viele von uns nicht wirklich gestellt. Solange wir politisch denken konnten waren die Gesichter der bundesrepublikanischen Demokratie die von Herrn Kohl und seinen Getreuen. Sie repräsentierten für uns lediglich den überdauernden geistigen Stillstand der 50er. Das selbstzufriedene, feiste Bürgertum. Eine Ansammlung von blutleeren, leidenschaftslosen, engstirnigen, kleingeistigen, aufgeblähten langweiligen Regierungssachbearbeitern, die ohne jede Vision das Land mehr schlecht als recht verwalteten. Unter dem lächerlichen Vorwand der geistig moralischen Wende an die Macht gekommen, erhoben sie hochmütig den mahnenden Zeigefinger, um sich in gut kleinbürgerlicher Tradition der Kumpanei mit dem hirnlos verehrten Großbürgertum hinzugeben. Es war schlicht unerträglich, dass dieser Sohn eines Finanzbeamten Jahr um Jahr, unabänderlich, so schien es, dem Land vorstand und dabei drohte: “Ich will haben, daß am Ende meiner Zeit keiner mehr die Richtung verändern kann. Zwar kann der Zug noch mal aufgehalten werden, das macht nichts. Hauptsache ist, er fährt in die richtige Richtung.” In unserem Bewusstsein war der Kanzler der Einheit zu allererst das System Kohl, dass seine Wurzeln in der aktiven Förderung durch Menschen wie den Nazi-Unternehmer Fritz Ries hatte. Es gab dazu eben nur die Alternative eines Rotgrünen Projektes und so setzten wir unsere Hoffnung darauf es endlich irgendwann verwirklicht zu sehen. Eben zugegeben eine etwas naive Hoffnung und was meine Person betrifft, die allerdings keine Einzelfall sein dürfte, auch nichts, was wir durch besonders hohes eigenes Engagement stützten. Abgesehen von obligatorischen Demonstrationen, Diskussionen und Diskursen hatten wir nicht mehr zu tun als das Ausfüllen des Wahlzettels an der politisch korrekten Stelle. Gewählt haben wir sie. Gewählt haben wir sie in einer gewissen Erwartung (und mangelnder Alternativen). Gewählt haben wir sie als unsere Vertreter, weil sie, gemessen an der bestehenden Verwaltung, glaubwürdiger und authentischer erschienen. Ich erinnere mich, wie ich eines Tages in den Nachrichten einen ersten Schwenk über die neue Regierungsbank im Bundestag sah und dachte, ja, jetzt gibt es eine Chance. Da saßen nicht mehr Kanther, Kinkel, Kohl sowie Waigel, Blüm und Rühe. Da saßen nun Schröder, Fischer, Schilly, Lafontaine…….Wie klingen diese Namen heute? Ja, und das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, ging von Frau Merkel auf Herrn Trittin über. Das alles war in meinen Augen eine Verbesserung. So schien es zu sein. Aber durch die Gänge schlichen schon damals Figuren wie Jörg Asmussen. Vielleicht hätten wir schon damals genauer nachfragen müssen was sich hinter folgender Aussage im Koalitionsvertrag von 1998 verbirgt. Als Ziel wir dort beschrieben: “Eine bessere internationale Zusammenarbeit im Bereich der Wirtschafts-, Finanz-, Geld- und Währungspolitik; dazu wird die neue Bundesregierung gemeinsam mit den europäischen Partnern entsprechende Initiativen ergreifen.” Aber das haben wir nicht getan, weil die Begriffe Öko-Sozial so einen hübschen Rahmen abgaben. Welche Qualität sollte nun mit dem Begriff “besser” angehoben werden, und aus wessen Perspektive wird das betrachtet. Geht es bei der Zulassung von Hedge-Fonds, dem Zulassen des Handels mit Derivaten, dem Zulassen einer offenbar rücksichtslosen Kapitalmacht um das viel gepriesene Gemeinwohl unter Öko-sozialen Leitlinien oder um die Umsetzung marktgerechter Vernunft. (So wie die Steigerung der Rüstungsexporte in ihrer Verantwortung)
Setzt nicht auch der Begriff Verrat, so wie der Begriff Vertrauen, eine Handlungsalternative voraus?
Ich stelle mir vor: Abel betritt mit einer Waffe in der Hand die Bank.

(Fortsetzung folgt)

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