Abel - Teil 12
Kein Blut auf dem blanken Boden der Bank. Kein Schrei. Abel hatte nicht geschossen. Abel hatte sich beherrscht. Die Situation hat es nicht verlangt. Alles blieb ruhig. Ein harmloser Überfall ohne Verletzungen und Schmerzen. Wieso sollte jemand für eine Bank sein Leben riskieren.
Für einen Augenblick bin ich enttäuscht. Abels Waffe hat sich wieder gesenkt. In Gedanken versuche ich meine Waffe wieder in meine Hände zu bekommen. Es gelingt mir nicht.
“Tamas Abel Tofor ist vermutlich Teil einer radikalen Gruppe, die noch im laufenden Wahlkampf einen Anschlag durchführen möchte. Zumindest glauben wir das. Wir wissen nicht viel konkretes. Wir wissen nicht wann, nicht wo und nicht in welcher Größe. Aber es handelt sich um weit mehr als um ein paar angezündete Autos, soviel ist klar.”
Ich beobachtete wie der Rauch in der Lunge des Polizisten verschwand. Soll er doch daran ersticken. Er hustete nicht einmal. Im Alter von 8 bis 11 Jahren litt ich an einer chronischen Bronchitis in unterschiedlich starker Ausprägung. Verantwortlich war dafür wohl eine Abwehrschwäche meines Körpers. Das Herumtoben mit den anderen Kindern fiel mir aufgrund meiner Kurzatmigkeit schwer, also stellte ich es bald ein und blätterte in Büchern. Jules Verne zählte zu meinen Lieblingsautoren. Seine phantastischen Erzählungen befreiten mich von den ständigen Ansprüchen meiner Umwelt. Ich solle doch dieses tun, oder jenes tun, oder welches tun, oder dieses oder jenes nicht oder anders oder öfters oder weniger oder nicht so schnell oder nicht so langsam tun. Ich erwiderte diese Ansprüche mit Hustenanfällen, Schleimerbrechen, Renitenz oder tagelanger Apathie. Sie bezeichneten es als Apathie. Ich flog mit Jules Verne zum Mond oder tauchte durch das Meer.
“Haben sie schon einmal Fotos von einem Bombenanschlag gesehen.”
Mit 14 Jahren hatte ich dem Gruppenzwang nicht ausreichend Willensstärke entgegen zu setzen und begann auch mit dem Rauchen. Darauf folgte ein schwerer Rückfall, der mich in eine Kur auf der Insel Föhr zwang.
“Hören Sie mir überhaupt zu?”
Sechs Wochen. Ich hielt mich an meinem Kaffeebecher fest.
“Haben sie eine Ahnung, wie es sich anhört, wenn ein Mensch schreit, dem eine Bombe den Arm abgerissen hat?”
Der Buchumschlag zeigte eine alte Zeichnung, eine Art überdimensionales Projektil. Es flog durch die Nacht, weg von der Erde.
“Es dauert bis man merkt, das einem der Arm vom Körper abgerissen wurde. Ein Schock verhindert, dass der Schmerz bis in das Bewusstsein vordringt.”
Ich erinnerte mich an ein paar Zeilen, die ich erst viel später verstand:
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»Meine Freunde«, sagte er, »es ist zehn Uhr zwanzig Minuten. In siebenundzwanzig Minuten wird Murchison mit dem elektrischen Funken den Draht berühren, welcher mit der Ladung der Columbiade in Verbindung ist. In dem Moment werden wir dann unseren Erdball verlassen. Siebenundzwanzig Minuten also haben wir noch auf der Erde zu bleiben.«
Sechsundzwanzig Minuten und dreißig Secunden, erwiderte der exacte Nicholl.
Ei nun! rief Michel Ardan im besten Humor, in sechsundzwanzig Minuten läßt sich noch viel fertig bringen! Man kann da noch die wichtigsten politischen und sittlichen Fragen besprechen, und selbst lösen! Sechsundzwanzig wohl verwendete Minuten sind mehr werth, als sechsundzwanzig unthätig verlebte Jahre. Etliche Secunden eines Pascal oder Newton sind kostbarer, als das ganze Leben einer rohen Masse von Dummköpfen ….
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“Ich habe gesehen wie eine Frau über Minuten nicht merkte, was ihr widerfahren war. Sie starrte mit leeren Augen vor sich hin. Aus ihrer linken Schulter floss unaufhörlich das Blut und tropfte auf die Straße. Sie starrte mit ihren leeren Augen auf den Boden vor sich, direkt vor sich, dort wo ihr Arm lag. Aber sie schien es nicht zu merken. Verstehen sie, es war als starrte sie auf irgendeinen beliebigen Gegenstand, der zufällig vor ihr auf dem Boden lag. Es könnte irgend etwas gewesen sein. Ein alter Schuh, eine Zeitung, ein Milchshakebecher, Müll. Aber es war kein Müll. Es war ihr Arm. Ihr eigener Arm, ihre Hand, ihre Finger, ihre Ringe.”
Dummköpfe, Dummköpfe, Dummköpfe. Meine Mitschüler, Dummköpfe, die Lehrer, Dummköpfe, die Spielplätze, die Straßen, die Stadt voller Dummköpfe. Mein Gesicht spiegelt sich in dem schwarzen See hinter der Stadt. Wenn ich nicht in diesem riesigen Projektil auf den Mond fliegen könnte, dann bliebe mir immer noch der Grund des Meeres.
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Wenn das letztere der Fall ist, wenn der Kapitän Nemo immer noch im Meere hauset, seinem Adoptiv-Vaterlande, so möge der Haß in diesem wilden Gemüth sich beschwichtigen lassen! Die Anschauung so vieler Wunder möge den Rachedurst in ihm austilgen! Möge der strafende Richter aufhören, der Gelehrte die friedliche Erforschung des Meeres fortsetzen. Das seltsame Geschick ist auch ein erhabenes. Zehn Monate habe ich das außernatürliche Leben geführt.
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“Sie wollte einen Schritt nach vorne gehen, aber ihr fehlte die Kraft und sie stürzte. Instinktiv wollte sie ihren Fall mit den Armen auffangen, aber ein Arm fehlte und so fiel sie mit ihrem ganzen Gewicht auf die klaffende Wunde. Jetzt begann sie zu schreien. Jetzt brach es aus ihr heraus, so als ob sie die Qualen eines ganzen Lebens aus sich herausbrüllen wollte. Sie schrie und schrie und schrie und wollte nicht aufhören.”
Wie oft wollte ich auf den Grunde des Sees tauchen?
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Vor sechstausend Jahren hieß es, wie geschrieben steht: »Wer hat je die Tiefen des Abgrundes zu erforschen vermocht?« Zwei Männer sind die einzigen in der Menschenwelt, welche jetzt die Antwort auf diese Frage geben können.
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“26. September 1980, kurz vor der Bundestagswahl. München. Oktoberfest”
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Der Kapitän Nemo – – und ich.
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Ein knallender Schlag riss mich aus der Tiefe des Wassers wieder zurück in das Verhörzimmer. Der Polizist hatte zornig mit seiner flachen Hand auf den Tisch geschlagen.
“Hören sie mir verdammt nochmal zu. Das hier ist kein blöder Spaß! Ok? Hier geht es um Schmerzen, verstehen sie. Sie tragen eine Verantwortung. Ist ihnen das klar? Die Frage ob sie uns helfen wollen oder nicht, stellt sich nicht. Sie müssen uns helfen.”
Er riss eine Schublabe auf seiner Seite des Tisches auf…
“Ich sag ihnen auch Warum!”
…zog zwei Fotos heraus und knallte sie vor mir auf den Tisch.
Deshalb

Quelle:einestages.spiegel.de
und deshalb

Quelle:einestages.spiegel.de
(Fortsetzung folgt)
Juli 23rd, 2010 at 02:51
Hi youn fnd this
September 3rd, 2010 at 16:53
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