Abel - Kapitel 2: Wahlkampf - Teil 3

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zu Abel Kapitel 1

“Hast Du schon einmal ein Auto angezündet? Ich meine, wirklich, ich wüßte garnicht wohin ich das Feuerzeug hinhalten sollte.” Sie lachte.
So habe ich Mia kennen gelernt.
“Allerdings war ich einmal bei einer solchen Aktion dabei. War erst vor zwei Wochen, bin irgendwie immer noch ganz schön beeindruckt davon.” Dunkellilabraunes struppiges Haar. “Der Grund warum ich dich das so direkt frage ist, das ich für diese Zigarette hier kein Feuer habe.” Mit zwei Fingern hielt sie schnippisch ihre Zigarette hoch. Die Hand steckte bis zum Oberarm in einem schwarzen Seidenhandschuh. Sah sexy aus.
“Ich rauche nicht.” Dazu ein kurzer schwarzer Rock, anstatt eines Gürtels ein blutroter Tüllschal. “Hatte als Kind mal eine ziemlich schlimme Bronchitis. Lungenrasseln. Rauchen bekommt mir nicht.” Schwarz-weiße Ringelstrümpfe und hohe schwarze Lederstiefel. Sie mußte  ganz schon frieren. Immerhin war es Ende Oktober. “Gut, dann rauch ich auch nicht.” Sie schnippte die Zigarette auf die Straße. “Schadet meinem Teint.”
“Das auch…”
“Nicht jetzt, aber in zwanzig Jahren.”
Wir standen so gegen 3 Uhr nachts an einer Haltestelle der Nachttram. Es war Dienstag. Die Straßen waren so gut wie leer. Ab und an brauste ein Taxi vorbei oder ein Polizeiwagen. Sie saß, oder besser kauerte, etwas zusammen gesunken auf der Bank. Offensichtlich hatte sie zu viel getrunken. Die Beine hatte sie in übertriebener X-Bein Form an den Knien gegeneinander gestellt. Den Oberkörper hielt sie leicht schwankend aufrecht. Ich stand etwa zwei Meter von ihr entfernt auf dem Bürgersteig und hielt nach der Straßenbahn Ausschau.
“In meinem Rucksack da.”, sie deutete auf den Boden, “ist eine kleine Proseccoflasche drin.” Sie rieb sich mit Zeigefinger und Daumen kurz die Augen. “Die hätte ich jetzt gern.” Dann warf sie mir einen Klein-Mädchen-Blick zu. “Bitte”
“Dann hol sie dir.”
“…würd ich gern, kann ich aber nicht, weil wenn ich den Rucksack hochheben mussss, dann kippe ich zur Seite und falle von der Bank, so, so, so ist das.”
Ich ging zu ihr hinüber. ”Verstehe.” Ich öffnete den kleinen Lederrucksack, fischte die Flasche heraus, drehte den Verschluss ab und gab sie ihr. “Danke.” Sie nahm einen kräftigen Schluck, wobei sie die Flasche zu ruckartig ansetze und so etwas von dem Prosecco verschüttete. “Hopsa! Entschuldigung. Ich heiße Mia.”
“Hi. Max.”
“Max?” Sie legte zwei Finger auf die Öffnung der Flasche und dreht sie kurz, als wäre es ein Parfüm. Tatsächlich tupfte sie anschließend etwas Prosecco hinter ihre Ohren. “Hübscher Name.”
“Naja……”
“Hübsch kurz.”
“Ja….” Ich mußte wirklich grinsen. Sie hatte einen ganz eigenen, zauberhaften Charme. Frech, neckisch, aber auch ein bißchen burschikos. Man könnte sich vorstellen, dass sie als Kind gerne auf Bäumen herumgeklettert ist, oder sogar nachts auf Dächer stieg, um den Mond zu betrachten. “Ja, das stimmt, kurz ist er.”
“Also….” Sie tat so als würde sie sich aufrecht hinsetzen. Das sah allerdings ziemlich ungelenk aus. “….Max, wie ist das nun?”
“Was?”
“Hast du schon einmal ein Auto angezündet?” Für einen kurzen Moment war ich versucht ihr ein unglaubliche Geschichte über meine verwegenen Taten als Autoanzünder aufzutischen. Nicht, um sie zu beeindrucken, zumindest nicht in allererster Linie, aber ich war schon etwas zu müde für eine Flunkerei. “Nein.”
“Is schon irgendwie spektaulär. So Bumm, irgendwie so plötzlich. Aber komische Typen sind das. Nur dieser eine…” Sie drehte die Augen hoch und verschloss sie dramatisch. “…..ach, der war so süß. Ich konnte einfach nicht widerstehen.” Melodramatisch schickte sie eine Kusshand in den Himmel. “Mon amour, Julian, groß, schlank, Franzose, algerische Abstammung….” Sie setzte einen kurzen, kräftigen Biss in die Luft hinter her und leckte sich danach schnell wie eine Katze die Lippen. “…lecker” Dann rief sie sich wiederum übertrieben gespielt zur Ordnung, richtete ihre Kleidung und hielt mir anschließend die Flasche hin. “Keine Sorge mein lieber, du bist auch ganz niedlich.” Bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte wie diese Begegnung nun weiterverlaufen könnte, und ich hoffte sie würde weitergehen, rissen mich quietschende Reifen dicht neben uns aus meinen Gedanken.
“Mia, verdammt, was soll denn das, immer muss ich dich suchen. Ach es ist doch……” Die Tür öffnete sich und eine ebenfalls burlesk gekleidete Frau stieg aus dem Wagen. Sie war furchtbar aufgeregt und wedelte mit den Armen durch die Luft. “Mia, Mia , Mia…..” Sie nahm ihre Hand. “Was is nur mit dir los Schätzchen.” Sie küsste sie flink auf die Wange. “Eines Tages wird dir noch was passieren.” Mia ließ sich willig mit ziehen. “Du kannst doch nicht einfach immer so verschwinden. Schon gar nicht heute. Wir müssen morgen früh um 10 am Flughafen sein.” Ihre Freundin führte sie um den Wagen herum.
“Schönen Urlaub” rief ich hinter her. Sie antwortete mit einem Lächeln und verschwand im Auto.
“Danke, dass sie auf sie aufgepasst haben.” Die Türen schlugen zu, der Motor brummte auf, ein schwarzer Seidenhandschuh winkte und weg waren sie.
Das war vor weniger als einem Jahr. So wie sie jetzt da saß, war sie kaum wieder zu erkennen. Die Augen verheult, zitternd, ein Häufchen Elend. Leise sprach ich sie an. “Mia?” Sie hob nur ganz langsam ihren Kopf. “Wer hat dir das angetan?” Sie biss nur die Zähne aufeinander. “Na komm, jetzt gehen wir erst mal hoch. Du nimmst eine Dusche, dann bekommst du eine schöne große Tasse Kaffe und dann sehen wir weiter.” Mia nahm meine Hand. Ich half ihr hoch und wortlos stiegen wir die drei Stockwerke bis zu meiner Wohnung hoch. Sobald wir drin waren verschwand sie ins Badezimmer. “Frische Handtücher findest du in dieser kleinen Seekiste.” Ich hatte Mia schon seit mindestens 3 Monaten weder gesehen noch gesprochen und hatte mich schon gewundert, was aus ihr wohl geworden sei. Nun, so wie ich sie kannte würde es mich nicht wundern, wenn sie einfach für ein paar Monate im Ausland gewesen wäre. Allerdings hätte ich mich über eine Karte sehr gefreut. Während sie duschte machte ich mich an den Kaffee. Wer könnte sie nur so übel zugerichtet haben? Sicher, sie trieb sich in allen möglichen Kreisen herum und da gab es bestimmt Typen, die nicht besonders zimperlich waren. Aber Mia ist nicht doof. Sie weiß, was sie tut und würde sich nicht mit den falschen Leuten anlegen. Während der Kaffe durchlief hockte ich mich auf die Couch. Mann, was bin ich geschafft. Ich konnte kaum glauben, was alles passiert ist seit dem ich mich gestern von Abel verabschiedet hatte. Ich war hundemüde. Am liebsten würde ich die Augen schließen, mich zur Seite fallen lassen und schlafen.
Mein Handy meldet eine SMS: “Geht es ihr gut. Ich hoffe. Wir treffen uns heute abend um 9 bei Rick” Absender unbekannt.
Eine SMS vom Chorknaben?

(Fortsetzung folgt)

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