Kommentar zu dem Tagebucheintrag von Konstantin Wecker

Ich möchte die Gelegenheit ergreifen und auf den Tagebucheintrag von Konstantin Wecker sowie den Artikel in der Zeit eingehen, ja und dazu auffordern dies ebenfalls und lautstark zu tun. Die einfache These, die ich dazu in den Raum setzen will, heißt: Kultur ist kein Luxus. (Hierzu die Einladung sich an der Diskussion zu beteiligen. Ich habe mir erlaubt eine Facebookgruppe gleichen Titels zu gründen)
Das Verhältnis des Staates zur Kultur ist für mich kaum noch erkennbar. Es ist Lustlos, fadenscheinig, ja plump, und geistlos wie der Staat selbst.
Das hochdekorierte Feigenblatt subventionierter Hochkultur verdeckt es ebenso wenig, wie Sonntagsreden über Vielfalt, oder das zuweilen komisch anmutende Flanieren über rote Teppiche. Nein, es geht mir nicht darum die eine, also die hochsubventionierte Kultur gegen die Basiskultur auszuspielen (auch wenn es sicher politische Kräfte gibt, denen das recht wäre) Es geht darum eine bestimmte Haltung zur Kultur bloss zu stellen.
Ich bediene mich dazu eines Zitates des bayerischen Staatsministers für Wissenschaft, Forschung und Ecce! Kunst, bezüglich der Förderung der Festspiele in Bayreuth: „Wir werden die Marke Bayreuth nicht vernachlässigen, im Gegenteil, wir werden sie in Zukunft forcieren“ Ich wiederhole es geht nicht darum die Förderung dieser Festspiele in Frage zu stellen. Nur es ist deutlich zu sehen wie hier Kultur begriffen wird. Der gesellschaftlich essentielle Wert der Kultur wird lediglich im Kontext der materiellen Verwertbarkeit begriffen und dient daher zuallererst der unverschämten Dekoration des Staates.
Schluss! Aus! Basta! Kultur ist und bleibt die organische Kraft innerhalb einer Gesellschaft, in der sie sich gestaltend wiederfindet und weiterentwickelt. Sie ist ganz bestimmt keine Marke.
Die Folge dieses Denkens ist die Frage nach der VerWertbarkeit kultureller Bildung in den Schulen. Das gilt wie Konstantin Wecker richtig herausgestellt hat für die Musik, aber ebenso, nur um es der Vollständigkeit halber anzufügen, für die Literatur und auch für die bildenden Künste. Wenn ein Staat, was zunehmend schwer fällt, ernst genommen werden möchte, muss er begreifen, dass er zuallererst auf dem Boden der Kultur gedeihen wird. Sie ist das Herz einer Gesellschaft, der Ort, an dem sie fühlt und gefühlt wird. Ja, und zum Leidwesen der Technokraten auch der schützenswerte Hort von Widerstand und Revolte, dort, wo es notwendig wird.
Ach und was das sogleich aufdämmernde Finanzierungs-Verwertbarkeits-Totschlagargument angeht, so lasst euch Verwaltern gesagt sein: öffnet den Staatsetat der Mitbestimmung der Bürger. Wir werden schon Möglichkeiten finden. Aber sicherheitshalber heißt es dort: „Das Haushaltsgesetz schafft die finanzielle Grundlage für das Wirken der Staatsregierung und der Verwaltung für die Dauer von zwei Jahren (Doppelhaushalt). Ein Volksentscheid über den Staatshaushalt ist ausgeschlossen.“ Hört hört. Es ist unser Staat, es ist unser Geld, und es ist Teil unserer Kultur es einzufordern. Für Bayreuth ebenso wie für alle anderen.
Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre.
Friedrich Schiller, Die Räuber”

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