Abel - Teil 2
Was war es? Was machte Abel für sie so interessant? Ich hatte ihn nur einmal an diesem Abend in der Bar gesehen. Nichts weiter. Drei, oder, gut, sagen wir vier Wodka. Nichts weiter. Er hat geredet. Ich habe zugehört. Ich habe nicht viel gesagt. Sicher, es war verwunderlich, dass er so direkt auf mich zu kam. So, als ob er mich kennen würde. So, als ob er eigens wegen mir in dieser Bar gewesen wäre. Er war sicher das erste mal hier gewesen. Das konnte man sehen. Er passte nicht in diese Bar. Er war nicht einmal ein Stadtmensch. Vielmehr sah er so aus, als wäre er geradewegs vom Feld gekommen. Seine alte Jeans war dreckig. Getrocknete Erde. Sein Schuhe voll Lehm. Er hatte diesen grauen Wollpullover an; am Kragen eingerissen. Darunter wahrscheinlich ein T-Shirt. Schulterlanges, grauschwarzes wirres Haar. Buschige Augenbrauen. Unrasiert. Essensreste im Bart. Mundgeruch. Alkohol, natürlich. Noch bevor er sich vorstellte, stellte er diese Frage nach einem möglichen Anschlag. Das alles machte ihn vielleicht zu einem seltsamen Kerl, aber das war kein Grund in aller frühe meine Wohnung zu stürmen, mich fest zu nehmen und hier zu verhören. Sie kennen den Inhalt unseres Gespräches nicht, dachte ich. Sie wissen nicht worüber wir gesprochen haben.
“Hören Sie”, hatte Abel gesagt. “Glauben sie nicht auch, dass sich dieses Land ein bißchen heimlich nach einem kleinen aber Knall von Anschlag sehnt. ”So!” Sein flache Hand donnerte auf den Tisch. “Bumm!” Die Gläser wackelten. Abel wartete. Schließlich nahm der die Wodkaflasche hoch und hielt sie gegen das Licht. “Klarheit.”, flüsterte er, dann goss er uns beiden ein und stellte die Flasche wieder auf den Tisch. “Aber erst muß die Wut herausbrechen. Damit der Schmutz herausbluten kann. Der Schmutz muss aus dem Körper. Das geht nur mit Blut. Mich interessiert nicht wer den Anschlag ausübt. Wer auch immer?” Er zog beide Schultern hoch und dekorierte seinen eigenartigen Vortrag mit einem verschmitzten Grinsen. “Wer auch immer, verstehen sie, wer, was, was soll´s. Denken sie nicht darüber nach. Es ist uninteressant. Interessant ist das Blut, verstehen sie, das Blut wäscht den Schmutz aus. Trinken wir.” Nachdem wir den Wodka hinuntergestürzt hatten, nahm er meine Hand. “Weißt Du,” ganz unvermittelt wechselte er in einen warmen, vertrauensvollen ton. “Du mußt keine Angst haben. Verstehst Du mich. Ja? Bitte. Du weißt wo dein Herz schlägt. Hier.” Er klopfte auf seine Brust. “Hier! Das kann dir keiner nehmen.” Ich mußte an
denken
Tatsächlich hatte ich in den letzten Monaten immer wieder Angst gehabt. Zumindest war ich ängstlich. Dinge, die für mich immer als selbstverständlich erschienen sind zunächst langsam in den letzten Jahren erodiert, aber gerade in letzte Zeit war es mir so als hörte ich in weiter Entfernung ein Donnern, ein Grollen und ein Donnern, das langsam immer näher kam. Doch jetzt, hier an diesem Tisch mit Abel, meine Hand in seiner, da war all diese Ängstlichkeit verflogen. Selbst wenn…….
(Fortsetzung folgt)